Auf Kurswochenenden freue ich mich besonders: Ganz auf die Interessen der Teilnehmer abgestimmt, möchte ich diese den ganzen Tag künstlerisch betreuen oder nur zu einem kurzen Crash-Kurs vorbeikommen. Aber solch ein Wochenende muss geprobt sein.

Vier lustige und vor allem malwütige Testpersonen sind gefunden und so kann das allererste Kurswochenende im Sommer 2019 starten. Freitagabend hole ich die vier Freundinnen am Bahnhof Oschatz ab und, kaum sitzen sie in meinem Auto, ist meine Aufregung verflogen. In der Dorfschule angekommen, werden Rucksäcke oder Taschen ins ausgewählte Zimmerchen geschoben und dann geht es im ehemaligen Lehrerzimmer ans Kochen. Es gibt Nudeln mit Zucchini-Sahne-Soße. Unterm magischen Ahorn-Baum beraten wir bei Nudeln und Wein, wie der nächste Tag werden soll.

Obwohl ich etwas eher als zur vereinbarten Zeit mit frischen Brötchen in der Schule ankomme, sitzen die vier schon ungeduldig im Lehrerzimmer-Frühstücksraum. Die Kirchenglocke hat sie viel zu früh geweckt. Oh – das hatte ich vergessen zu erwähnen. 😀 (Für Langschläfer-Stadtmenschen, die nicht unmittelbar neben einer Kirche wohnen, ist das fast 5-minütige Samstagmorgen-Geläut schon eine Herausforderung.) Trotzdem sind alle gut gelaunt und munter, als wir zur Liebschützberger Windmühle aufbrechen. Oben angekommen warten die Staffeleien darauf, dass die herrlich weite Umgebung aufs Papier gebracht wird.

Zum Mittag sind wir zurück und in der Werkstatt ist schon alles für die Umsetzung der Landschaftszeichnungen in Kaltnadel-Radierungen vorbereitet. Schnell entfaltet sich um den großen Eichentisch ein kreativer Schaffensdrang, sodass die Wangen glühen. Für eine Kaffeepause ist da gar keine Zeit, sodass ich die gefüllten Tassen gleich neben die Künstlerinnen stelle.

Den Abend verbringen wir auf der idyllischen Waldsee-Terrasse des Restaurants Pelzer. Die Mädchen geben als Tester ihre Bewertungen ab. (Die große Frage ist: Was kann anders und vor allem besser gemacht werden?) Auf dem Heimweg einigen wir uns darauf, uns am nächsten Tag ans Aquarellieren zu wagen. Ohropax werden gesucht, damit der Nachtschlaf etwas länger gehen kann, doch die Glocken schweigen am nächsten Morgen. Gut ausgeschlafen und gestärkt wird am Sonntag noch bis zum Mittag gemalt. Dann fahre ich die vier mit ihrer persönlichen Kunstsammlung zum Zug zurück.