In die sechs großen Kastenfenster des Klassenzimmers hatte ich mich sofort verliebt. Doch besonders an der Südseite sahen sie sehr mitgenommen aus, sodass meine erste Großaktion in den letzten Sommerferien das Aufarbeiten der Fenster war. Nach umfänglicher Beratung durch Fachleute bzw. Denkmalschützer und intensiver Recherche im Internet fühlte ich mich gut vorbereitet. Doch den Aufwand hatte ich mächtig unterschätzt.

Trotz ganztägiger Arbeit und Unterstützung durch viele Helfer (siehe Fotos) hatte ich nach drei Wochen zwei Fenster fast! fertig. Im Herbst nahm ich mir dann die Fenster der Werkstatt vor und bin auch hier noch nicht ganz fertig. Eigentlich bin ich nicht böse, dass es zur Zeit so regnerisch ist. Dadurch opfere ich meine zwei Urlaubswochen nicht nur den Fenstern und habe Zeit für andere Dinge, die auch vorankommen müssen.

Die zeit- und kräfteraubendste Arbeit an den Fenstern ist das Abschleifen. Ich habe verschiedene Methoden ausprobiert und muss eindeutig dem Farbschaber den Sieg aussprechen. Der unten abgebildete (leider teuer) hat verschiedene Aufsätze. Dadurch kann man unterschiedliche Profile bearbeiten. Bei sehr verwitterten Stellen funktioniert er wunderbar, bei sehr dicken Farbschichten habe ich die Farbe mit der Heißluftpistole angelöst und dann sofort mit dem Schaber abgezogen. An glatten Stellen eignet sich natürlich auch das maschinelle Abschleifen.

 

Bei einigen Scheiben war der Kitt zu stark verwittert und musste erneuert werden. Dort konnte ich das Verkitten üben. Denn drei Scheiben waren kaputt und mussten ersetzt werden. Ich ließ sie mir vom Bautischler genau zuschneiden. Das Einsetzen ging eigentlich überraschend leicht.

 

Das Angenehmste war das Streichen der Fenster. Allerdings erfordert es gute Planung, denn die Fenster müssen dreimal mit Leinöl und zweimal mit Leinölfarbe gestrichen werden. Zwischen diesen einzelnen Öl-Anstrichen sind Trocknungszeiten von mindestens drei Tagen bei trockenwarmem Wetter einzuhalten. Wenn ich die Fenster nicht jedesmal genau beschriftet hätte, wäre ich völlig durcheinander gekommen.

Der letzte Farbanstrich sollte unbedingt ca. einen Millimeter über die Kittkante reichen, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Ich habe mir die fuddelige Mühe mit dem Abkleben gespart und nach dem Trocknen der Farbe an einer Metallschiene 1mm auf dem Glas eine Cutterlinie gezogen und anschließend den Überschuss an Farbe mit einem Glasschaber entlang der Metallschiene weggeschoben. Ging wunderbar.